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Neue Leuchtkraft für ein Badehaus der Moderne

Denkmalpflegepreis 2017

2017 verleiht die Denkmalpflege des Kantons Bern bereits zum achten Mal einen Anerkennungspreis für die Restaurierung und Weiterentwicklung eines Baudenkmals. Die Eigentümer eines originellen Seehauses erhalten für die umsichtige und nachhaltige Restaurierung ihres Sommersitzes den diesjährigen Preis der Denkmalpflege des Kantons Bern. Sie sind die Enkel eines bekannten Architekten, der mit dem avantgardistischen Badehaus im Stil des Neuen Bauens 1930 Aufsehen erregt hatte. Auf der Basis einer Farbuntersuchung wurden die bunten Anstriche in den ursprünglichen Techniken erneuert. Dank der lasierend aufgetragenen Mineralfarbe ist die Patina erhalten geblieben. Ein einfaches Einbaumöbel gliedert heute das Innere. Auf weitere Eingriffe haben die Besitzer verzichtet: Die unverfälschte Architektur ist ihnen mehr wert als zusätzlicher Komfort.

Weitere Informationen

Ausstellung Kornhausforum Bern
19. Mai bis 17. Juni 2017
Di–Fr 10–19 Uhr, Sa 10–17 Uhr
Ausstellung Konzepthalle 6 Thun
21. Juni bis 23. Juli 2016
Mo 08–18.30 Uhr, Di–Fr 08–24 Uhr, Sa 10–24 Uhr, So 10–15 Uhr

 

Medienberichte, Radio- und Fernsehsendungen

 

Mit dem leuchtend roten, flach gedeckten Badehaus auf Stelzen erregte der bekannte Architekt Jacques Wipf in seiner Heimatstadt Aufsehen. So radikal konnte Wipf sonst wohl kaum bauen. Seine Heimatstil-Wohnhäuser in Thun oder das Grimsel Hospiz sprechen eine andere Architektursprache als das rote, avantgardistische Badehaus. Dieses mutet im Werk des Architekten wie ein Vorreiter des von Wipf mitgestalteten Thuner Strandbades an, das zu den bedeutendsten Beispielen des Neuen Bauens im Berner Oberland gehört. Geradezu lehrbuchhaft präsentiert das Badehaus die damaligen Architekturtrends, die Devise «Licht, Luft und Sonne» oder Le Corbusiers Architekturprinzipien des «Hauses auf Stützen».
Die einfache, funktionale Einrichtung des Gebäudes bot den Wipfs ursprünglich ein wenig Komfort für ihren sonntäglichen Familien- und Badeausflug. Den Kaffee tranken sie draussen auf dem Rasen, auf den Terrassen wärmten sie sich nach dem Seebad auf. Im freien Erdgeschoss stellte man im Sommer das Auto, im Winter das Boot unter.

Wertschätzung über Generationen

Der Vater der heutigen Eigentümer, der in der Region ebenfalls hoch geschätzte Architekt Karl Müller-Wipf, erweiterte das Badehaus 1954 zum Sommer-Ferienhaus. Der Anbau ist ein charakteristisches Werk der 1950er Jahre: unspektakulär, aber bis ins Detail sorgfältig durchkomponiert sowie respektvoll und diskret hinter das Badehaus zurückversetzt.
Mit grosser Wertschätzung widmete sich auch die dritte Besitzergeneration dem Seehaus, als es restauriert werden musste. Für die Bauherren, Christoph und Dominik Müller, steht die originale Substanz, die für sie untrennbar  mit Erinnerungen verbunden ist, an oberster Stelle. Sie liessen sich deshalb bei der Restaurierung Zeit, um nach den passenden Lösungen zu suchen. Die Bauherren verzichteten auf eine technische Aufrüstung; die unverfälschte Architektur ist ihnen mehr wert als zusätzlicher Komfort – das Badehaus bleibt ein Sommerhaus.
Mit der gleichen Sorgfalt, die sie für die Architektur aufbringen, bewahren die Brüder Müller auch das Firmenarchiv von vier Architektengenerationen – eine kostbare Quelle für das Verständnis der neueren gebauten Geschichte der Stadt Thun.

Die Ausstattung des Anbaus von 1954 blieb samt Möblierung original erhalten (Foto: Christian Helmle).

Kristallines Leuchten statt neuer Glanz

Eine Farbuntersuchung lieferte den bemerkenswerten Befund, dass das Badehaus über den originalen Mineralfarbanstrich verfügte. Für die Restaurierung wollten die Bauherren dieselbe farb- und alterungsbeständige Farbtechnik verwenden. Es widerstrebte ihnen jedoch, das Haus «in neuem Glanz» erstrahlen zu lassen. Die Mineralfarbe ermöglichte idealerweise einen lasierenden Anstrich. So erhielt die Fassade das materialtypische «kristalline Leuchten» zurück; die ursprünglichen Bearbeitungs- und die Altersspuren bis hin zur Markierung des Hochwasser-Pegelstandes von 2005 bleiben aber ablesbar. Dieses Resultat ist dem handwerklichen Geschick der Malerin und einer intensiven Teamarbeit aller Beteiligten zu verdanken: Christoph Müller, selbst ein erfahrener Architekt, plante die einzelnen Schritte gemeinsam mit dem Restaurator und dem Farbberater, den Handwerkern und dem Bauberater der Denkmalpflege.